“Ich hätte meinen Vati trotz allem nie in ein Heim gegeben!”

´Du bleibst bei mir, egal was kommt‘, das habe ich meinem Vati versprochen, als er von heute auf morgen schwer erkrankte.

Pflegeheim? Niemals hätte ich ihn dort abgeben können. Früher war er immer für mich da gewesen. Dieses Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit wollte ich ihm auf jeden Fall zurückgeben.

„Meine Kinder sollten nicht mitbekommen, dass wir arm sind“                           Alles begann 1998, als Vati zwei Schlaganfälle erlitt. Die Diagnose: halbseitige Lähmung und vaskuläre Demenz. Zu der Zeit war ich gerade dabei, mich beruflich weiterzubilden. Ich bot ihm trotzdem sofort an, zu mir zu ziehen. Auch wenn das für mich bedeutete, meine eigenen Pläne aufzugeben.

„Ich wäre jetzt ohne die Grundsicherung total aufgeschmissen“ Heute bekomme ich monatlich 484 Euro Rente, weil ich in den Pflegejahren nichts einzahlen konnte. Mit der Grundsicherung komme ich auf 800 Euro, das reicht gerade so. Ich erwarte keinen Orden, aber der Staat sollte dafür sorgen, dass Pflegende im Alter finanziell abgesichert sind.“

Ich erwarte keinen Orden, aber der Staat sollte dafür sorgen, dass Pflegende im Alter finanziell abgesichert sind!

Vielen Dank an unser Mitglied Gisela Breuhaus und das LEA-Redaktionsteam – es war eine wunderbare und sehr wertschätzende Zusammenarbeit – immer gerne wieder 😊 !

Hier der gesamte Bericht in der Zeitschrift LEA vom 21.06.017 (Ausgabe 26) !

2 Gedanken zu ““Ich hätte meinen Vati trotz allem nie in ein Heim gegeben!”

  1. Sehr geehrte Frau Hallermann,
    Ich verfolge seit der HartaberFair-Sendung Ihr Anliegen.
    Ich gehöre auch zu den Personen, die ihre nahen Familienmitglieder relativ lange gepflegt hatten.
    Beruflich bin ich im Kunsthandel, Galerie, Buchhandel und als Übersetzerin freiberuflich tätig gewesen – mein Vater war Internist und anerkannter Gutachter in der Wiedergutmachung.
    Er hatte früh seinen Vater verloren und nach fünf Jahren russischer Kriegsgefangenschaft Weihnachten 1949 zurückgekehrt, als Kölner in Breslau verheiratet mit meiner Mutter, die mit zwei Koffern und zwei Kleinkindern im Januar 45 geflüchtet war – fingen beide bei Null an um sieben Jahre später stolze Eltern von sechs Kindern zu sein, denen sie durch ungemeinen Fleiß und ständiges Umsorgen eine gute und auch durchaus wohlhabende Kindheit und Zukunft bieten konnten.
    Durch die Krankeit meines Vaters ab 1998 , eine unheilbare, schon im Babyalter im Krankenhaus erworbene Viruserkrankung meines Zwillingsbruders und später eintretende Demenzerkrankung meiner Mutter war ich ab dieser Zeit also 1998 mit etwa 42 Jahren,Schlag auf Schlag mit der Pflege meiner Nächsten beschäftigt- ich hatte keine Zeit, zu reflektieren, sondern konnte nur reagieren.
    Ab 2001wurde die Hilfsbedürftigkeit meines todkranken Bruders, der im Hause der Eltern lebte, aber auch die Depression und Demenz meiner Mutter dergestalt,dass ich selbst beruflich noch mehr eingeschränkt war. Ab 2005 bis Ende 2012 habe ich, nach erfolglosen Versuchen mit polnischen Haushälterinnen, die Rundumoflege meiner Mutter ganz übernommen- das war auch durchaus eine klasse , schöne Zeit mit ihr trotz der vielen Widrigkeiten und Mühen, Die letzten fünf Jahre war sie komplett immobil mit den üblichen Konsequenzen ( Langes Anreichen, Heben, nachts dreimal Aufstehen zwecks Lagern und Frischmachen etc. pp).
    Nicht die Pflegebedürftigkeit meiner Mutter, meines Bruders meines Vaters habe ich als problematisch empfunden – nicht die Sterbebegleitung – auch nicht die zuweilen fürchterliche Bürokratie oder das lückenhafte Wissen vieler sog Professioneller – mit der Privatkasse meiner Eltern konnte ich mich recht gut arrangieren- tatsächlich problematisch war die Tatsache, dass von dann nur noch fünf Kindern und vier Schwiegerkindern plus Enkeln keiner sonst bereit gewesen war, etwas für seine Eltern oder Bruder zu tun. Ich habe mich ( vor allem mein schwerkranker Bruder und meine Eltern) doch sehr im Stich gelassen gefühlt. Einer der Brüder wohnte mit Familie Tür an Tür , er hatte schon früh erben dürfen, war pensioniert, ein zweiter nur 20 Minuten entfernt und war beruflich kaum eingebunden.
    Keiner meiner finanziell gut dastehenden Brüder oder Schwägerinnen war bereit oder kondioniert, ihre Bequemlichkeit etwas einzuschränken. Im Grunde begann für meine Brüder und deren Familien mit dem Beginn der Hilfsbedürftigkeit ihrer Eltern ganz simpel der Streit ums Erbe- typisch für eigentlich alle(!) um mich herum.
    Man verbraucht während solch einer langen Zeit auch die eigenen finanziellen Altersreserven , was auch für die Zeit nach der Pflege gilt – neumodisch Burnout- ich nenne ich es eher Wiederzusichkommen und Neuorientierung.
    Schließlich und endlich bin ich mit einem nicht zufriedenstellenden Erbanteil und einem Zugeständnis von ca 400,00 Euro monatlich zum Pflegegeld( Putzfrauengekd) , da ich ja Kost und Logis in dem schönen Hause gratis hatte , entlohnt worden.
    Ich bin durchaus eine Kämpferin, aber gegen vier ausgeruhte Akademiker Familien , die sich in keiner Weise mir Elternpflege – auch nicht im Schwiegerhaushalt- belasten wollen , hatte ich in meiner Resorbiertheit keine Chance und auch nicht die Power. Rechtsanwälte im Übrigen, haben mich nur ausgelacht.
    Sie haben – es sei denn, die Eltern verfügen mit Weisheit und Weitsicht vorab- rechtlich eine grauselige Position gegenüber den dann späteren Miterben, und werden möglicherweise noch ich als Schmarotzer und Nichtstuer abgetan( lebt vom Geld ihrer Mutter , wie unsere Putzfrau sagte)
    Ich habe noch nie irgendwelche staatliche Hilfe beansprucht . Ich bin im Grunde sehr dynamisch und neugierig- spüre aber oft wiederkehrende innere Lähmungen , die ich einer gewissen Traumatisierung zuordne.
    Meine finanziellen Reserven fürs das Alter sind in der Zeit der Pflege/ des
    “Wiederaufbaus ” dahingeschmolzen.
    Auch aus dieser Sitaution heraus muss dringend etwas für finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung und Absicherung getan werden.
    Meine Beobachtungen in meinem überwiegend akademisch geprägten Umfeld lassen mich befürchteten, dass ein Großteil der “Erbengeneration” ein eigenartiges V erhältnis zum Geld der Eltern resp dem Generationsvertrag hat. Erbengeneration und Pflege – vielleicht auch ein Plasberg -Thema?!
    Ich würde mich freuen,auf diesen doch spontanen Brief Resonanz zu bekommen und engagiere mich gerne !
    Mit freundlichen Grüßen
    Susanne Herberg/ Köln Bergisch Gladbach
    susanneherberg@web.de

    • Liebe Susanne Herberg,

      bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort – unser Team war im Sommerurlaub und aktuell war unsere Webseite technisch defekt – seit heute Mittag läuft sie wieder!

      Vielen Dank für Ihren langen, authentischen und auch wütend machenden Kommentar – hören wir so oft und nur, wer solche Situationen erlebt hat, weiss, wie kräfteraubend und nervenzehrend sie sind!

      Ich kann Ihnen nur ein DICKES “HUT AB” sagen, Sie können so stolz auf sich sein und gerade in ihren eigenen Spiegel gucken (mein 16 jähriger Sohn würde sagen – Sie haben sich ein gutes Karma geschaffen 😊 ). RECHT SO ! Gerne würden wir Kontakt zu Ihnen aufnehmen und da sie in NRW wohnen auch gerne auf unseren jungen Landesverein wir pflegen NRW hinweisen. Fühlen Sie sich WILLKOMMEN, Mitarbeit gerne erwünscht und wir haben am 13.10.2017 eine Mitgliederversammlung in Duisburg mit anschliessendem gemütlichen Beisammensein – vielleicht mögen Sie dabei sein? Melden Sie sich gerne bei uns – wir rufen Sie auch gerne an – so wie es am besten passt !

      Bis dahin erst mal alles alles Gute und Liebe – passen Sie gut auf sich auf und ich freue mich auf unser Telefonat!

      Mit lieben Grüßen aus Telgte (bei Münster – auch NRW)
      Susanne Hallermann

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