Sogar Ärztezeitung erkennt Armutsrisiko in der Pflege!

Aus der ÄrzteZeitung vom 28.11.2012

Mit 60 Euro soll die Pflegeversicherung gefördert werden – das hat das Bundeskabinett beschlossen. Wissenschaftler halten das für den falschen Weg.

BERLIN. Der staatliche Zuschuss für die neue Zusatz-Pflegeversicherung kann kommen. Das Bundeskabinett billigte am Mittwoch das Vorhaben von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Die Förderung von 60 Euro im Jahr soll dazu anreizen, in Eigenregie für den Fall der Pflegebedürftigkeit ergänzend zur gesetzlichen Pflegeversicherung vorzusorgen. Die Regierung hofft, dass damit auch Menschen mit geringerem Einkommen mitmachen. Eine Studie der Barmer GEK  hatte am Dienstag darauf hingewiesen, dass die von der Pflegeversicherung nicht gedeckten Pflegekosten ein hohes Armutsrisiko darstellen.

… Wissenschaftler halten den Förderansatz für falsch.

“Mit Hartz IV wird man daran gehindert, für’s eigene Alter vorzusorgen”

Herr B. ist 54 Jahre alt und lebt in Sachsen. Seit 8 Jahren pflegt er seine Mutter zuhause. “Meine Forderungen an Politik und Gesellschaft: Es muss möglich sein, die freie Wahl zu haben, die Pflege zu Hause durchzuführen ohne zu verarmen. Ich fordere die Angleichung des Pflegegeldes an die Pflegesachleistungen (SGB XI), damit Pflegebedürftige den sie pflegenden Familien, Freunden und Bekannten ein Grundeinkommen sichern können.” Lesen Sie Herrn B.’s Betroffenen-Bericht hier

“So lässt sich Altersarmut nicht bekämpfen”

Der Sozialverband VdK zeigt sich enttäuscht über die Rentenbeschlüsse der gestrigen Koalitionsrunde. “Die Regierungskoalition betreibt Rentenpolitik auf Sparflamme. So lässt sich Altersarmut nicht wirksam bekämpfen”, erklärte VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

Die Hürden für die Inanspruchnahme der so genannten “Lebensleistungsrente” seien viel zu hoch. Mascher: “40 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung und zusätzliche private Altersvorsorge als Zugangsvoraussetzungen – das geht an der Lebenswirklichkeit der meisten Frauen vorbei.” Und die wenigen, die in den Genuss einer solchen aufgestockten Rente kämen, müssten sich mit einer Rente begnügen, die nur rund 10 bis 15 Euro höher sei als die Grundsicherung im Alter, die im Schnitt 688 Euro betrage. “Bei diesem Mini-Zusatzbetrag kann man beim besten Willen nicht von Anerkennung der Lebensleistung sprechen”, kritisiert Mascher.           Hier finden Sie mehr …

NRW Sozialbericht 2013 vernachlässigt die Situation pflegender Angehöriger

“Sehr geehrter Herr Minister Schneider,

Familienpflege und das damit verbundene Armutsrisiko haben in unserer Gesellschaft einen höheren Bewusstseinswert erreicht, sind aber nach wie vor im Vergleich mit anderen europäischen Ländern zu wenig recherchiert. Leider mussten wir mit Bedauern feststellen, dass dies auch für den NRW Sozialbericht gilt.”

Die Initiative ADP studiert alle Sozialberichte der Länder und wendet sich direkt an die Sozialminister mit dem Anliegen, “bei einer Neubeurteilung der wichtigen Gesellschaftstrends auch die konkretere Erfassung von unbezahlter Familienpflegetätigkeit mit wirtschaftlichen Konsequenzen mit einzuschließen.”

Unseren Brief an Minister Schneider (31. Okt. 2012) lesen Sie hier