„Die Pflege macht uns arm!“ – 37 Grad

Andrea mit Oma SelmaAndrea mit Oma Selma

“Die Pflege von Angehörigen zuhause ist ein riesen Thema” – dachten wir.         Die Menschen werden immer älter, sind in ihren letzten Jahren oft dement und brauchen intensive Betreuung. Es gab schon einige Filme über Pflegeheime, in denen alte Menschen misshandelt oder nur verwaltet werden. Wir wollten uns die andere Seite anschauen, über Menschen berichten, die sich entschieden haben, ihre Angehörigen eben nicht in ein Heim zu geben, sondern sich selbst um sie zu kümmern – mit allen Konsequenzen, was das eigene Leben angeht. Denn das bleibt dabei meist auf der Strecke.

Wir dachten: Das trifft so viele, da wird es ein Leichtes sein, auch schnell geeignete Fälle für den Film zu finden. Doch so war es nicht.                            Wenn man über Pflege zuhause berichten möchte, nimmt man Einblick tief ins Innenleben von Familien, sieht die schwachen Momente, in denen die Nerven blank liegen. Man ist dabei in Krisensituationen und dann, wenn die Angehörigen am Rande des Nervenzusammenbruchs entlang balancieren. Nicht jeder will da ein Fernsehteam an der Hacke haben, wenn es so ans Eingemachte geht. Nach langer Suche und unendlich vielen Telefonaten sind wir dann auf die zwei sehr interessanten Fälle gestoßen. Von außen scheinen sie sehr unterschiedlich, doch bei näherem Hinsehen haben sie eines gemeinsam: Beide nehmen enorm viel auf sich, um ihren Pflegefall zuhause betreuen zu können.

24 Stunden Einsatz für die Angehörigen

Andrea S. ist rund um die Uhr für ihre “Omi”, wie sie sie liebevoll nennt, im Einsatz. Einer Arbeit kann sie deshalb nicht nachgehen, sie lebt von Harz IV, und auch das eher schlecht als recht. Die Pflege der alten Dame frisst sie auf, dennoch ist es für Andrea keine Alternative, die Großmutter ins Heim zu geben. “Ich will, dass sie angstfrei und ohne Schmerzen eines Tages sterben kann” sagt die Enkelin. Auch wenn das ihren Einsatz 24 Stunden am Tag verlangt. Oft bis ans Ende ihrer Kräfte. Fragt man sie, warum sie das tut, sagt sie ohne eine Sekunde zu zögern: “Weil ich Omi liebe”. Ihr eigenes Leben hat Andrea S. dafür für Jahre schon hintan gestellt.

Familie S. pflegt ihre schwer behinderte Tochter Enya zuhause. Auch das ist eine bewusste Entscheidung. In der Wohngruppe ging es dem Mädchen rapide schlechter, so dass die Familie das Kind schnell wieder zu sich nachhause geholt hat. Die Familie lebt am Rande des Existenzminimums. Die vier gesunden Kinder müssen stark zurückstecken, seit Enya auf der Welt ist. Die Eltern konnten bislang kaum regelmäßig arbeiten, weil ständige Notfälle mit dem Kind dies unmöglich gemacht haben. Etliche Rechnungen blieben unbezahlt, bis sich eine fünfstellige Schuldensumme angehäuft hat, die die Familie niemals wird begleichen können. Bei den Dreharbeiten mit der Familie ist uns aufgegangen, was es heißt, wenn man es trotz des größten persönlichen Einsatzes nicht schafft, wieder Boden unter den Füßen zurück zu gewinnen. Wie schnell es gehen kann, aus dem „normalen“ Leben rausgerissen zu werden und alles völlig neu ordnen zu müssen.

Claudia mit Tochter EnyaClaudia mit Tochter Enya

Liebe, Warmherzigkeit – Sorgen, Existenzängste

Beide Fälle haben uns tief beeindruckt. Wir durften Zeuge sein und aus nächster Nähe beobachten, was es heißt, einen Angehörigen zuhause zu pflegen. Die Familien haben sich nicht gescheut, uns Anteil haben zu lassen an ihren Sorgen und Existenzängsten. Wir haben gesehen, in welche finanziellen Nöte sich die Menschen manövrieren, aber auch, wie viel Liebe und Warmherzigkeit im Spiel ist – Emotionen, die unbezahlbar sind. Und dennoch können wir nicht sagen: Wie werden wir uns entscheiden, wenn eines Tages mal die eigenen Eltern nicht mehr können? Werden wir in der Lage sein, all das auf uns zu nehmen, was auf uns zukommt, wenn wir uns eines Tage entscheiden sollten, unsere Angehörige zuhause zu pflegen?

Abrufvideo und weitere Infos hier: https://www.youtube.com/watch?v=j2gZikfpsQs

DANKE HIERFÜR an beide Familien und an das sensibel-professionelle Redaktionsteam Ihr Team ADP

Die „Frankfurter Erklärung“ der BAGSO

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Gemeinsam in die Zukunft!

Erklärung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) und ihrer 112 Mitgliedsorganisationen zum 11. Deutschen Seniorentag 2015

„Frankfurter Erklärung“

Hier ein Auszug:

Mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden zum Teil bis an ihr Lebensende zu Hause versorgt. Die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen tragen den Großteil der finanziellen und persönlichen Belastungen. Ihre Interessenvertretungen sind daher stärker als bisher an allen wichtigen Entscheidungen im Pflege- und Versorgungssystem zu beteiligen.

Unser Verein wir pflegen  e.V. ist einer der 112 Mitgliedsorganisationen 😊 !!

wir gemeinsam – aktueller Infobrief !

Initiative Armut durch Pflege blüht auf!

Von pflegenden Angehörigen für pflegende Angehörige …- wie immer kurz, knackig & kompetent!

 

Hier die aktuelle Ausgabe von wir gemeinsam – dem Infobrief unseres Vereins wir pflegen e.V..

 

DANKE an das gesamte Redaktionsteam um Gudrun Born!                                                                                    Ihr Team ADP